Fahrspass pur - Made in Amerika


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Pictures with kinde permission by Sally Blair, American Driving Horses Society, Kathleen DeFazio, Nancy Jewell

Fahrspass pur - Made in Amerika

Alles begann im Jahr 1789 in Massachusetts, Amerika: mitten im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wird ein kleines braunes Hengstfohlen namens Figure aus dem Vollbluthengst True Briton und der Berber-Stute Wild Diamond geboren, das später einmal Vater und Urahn einer ganzen Rasse werden soll. Figure, nach seinem späteren Besitzer, dem Musiklehrer, Komponisten und Hengstmakler Justin Morgan auch unter dem Namen Justin Morgans Horse oder einfach Morgan Horse bekannt, ist auch heute noch ein Phänomen in der Geschichte der Pferdezucht. Alle heute registrierten Morgan Horses lassen sich auf Figure zurückführen und sind direkte Nachkommen, die auch heute noch viele seiner Merkmale und Eigenschaften in Interieur und Exterieur zeigen.

Die Menschen in der damals noch jungen Nation Amerika brauchten vor allem starke und arbeitswillige Pferde, die ihnen helfen sollten, die Wildnis urbar zu machen. So kam es dann auch, dass Figure vor dem Pflug lief und beim Roden der Wälder zum Holzrücken, sprich in allen Belangen rund um die Farm zur Arbeit eingesetzt wurde, obwohl er im Vergleich zu üblichen Arbeitspferden sehr anmutig, schön und temperamentvoll war. Er war stets hart im Nehmen, dabei leichtfuttrig, immer gesund und mit extrem widerstandsfähigen Hufen gesegnet, was ihm in der Gegend des heutigen Vermonts zu gute kam.

Doch Figure tat sich nicht nur durch seine Leistungsfähigkeit hervor: obwohl nur 1,42 m Stockmass , gewann er in seiner "Freizeit " nicht nur sämtliche damals schon beliebte Zugwettbewerbe mit Steinschlitten gegen jedes Kaltblut, sondern auch jedes Galopprennen, das sein Besitzer mit ihm ritt- sogar gegen damals extra nach Vermont gebrachte Champions unter den Vollblut-Rennpferden. Schon bald sprach es sich herum, dass Justin Morgan wohl ein ganz besonderes Pferd sein Eigen nennen konnte und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass Figure schon bald auch als gefragter Deckhengst bekannt wurde. Immer war Figure leicht zu handhaben, wurde von Kindern und Frauen für den sonntäglichen Kirchgang oder Ausflug eingespannt und es muss ein wunderbares Bild gewesen sein, wie er mit seinem vollen Behang, das rotbraune seidige Fell in der Sonne funkelnd und mit hocherhobenem Kopf mit viel Knieaktion vor dem Wagen trabte. Doch war er beileibe kein "Showpferd" vor dem Wagen: jahrelang hielten er und seine Nachkommen den Rekord auf der nach ihnen benannten " Morgan-Mile" in Randolph, Vermont und konnten von keinem anderen Pferd besiegt werden. Figure ging im Laufe seines Lebens aus finanziellen Gründen durch mehrere Hände und wurde trotz oftmals erbarmungswürdiger Haltungs- und Lebensbedingungen 42 Jahre alt, bis er sich beim Toben auf der Weide eine Verletzung zuzog, die mangels ordentlicher Versorgung letztlich tödlich verlief.

Er vererbte diese guten Eigenschaften und Merkmale bis in die heutige Zeit .

In den 1820er Jahren dominierte der Morgan die gesamte Trab- und Galopprennszene in den USA und auch heute noch kann man im Pedigree vieler amerikanischer Traber Morgan-Blut finden.

Neben ihrer Bestimmung als Rennpferd, Arbeitspferd auf der Farm, später auch als Cowboypferd in den westlichen Staaten der USA, wurde der Morgan doch stets als elegantes Reit und Kutschpferd gezogen, familientauglich, genügsam, gesund und mit guter Substanz in den Knochen und Hufen. Der Präsident der Vereinigten Staaten ritt bei Paraden ein Morgan Horse, das die Menschen mit seiner Schönheit und Eleganz beeindruckte , in Zeiten des Bürgerkrieges wurden unzählige Morgans als Kavalleriepferde genutzt und der einzige Überlebende in der Schlacht am Little Big Horn war- ein Soldat auf einem Morgan Horse. Diese Verbindung von Schönheit und Leistungsfähigkeit hat die Morgans schon immer begehrenswert und wertvoll gemacht.

In Amerika gilt das Morgan Horse als Kulturgut , das zu bewahren sich die Regierung verpflichtet hat. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in den USA eigentlich nicht üblich, die Pferdezucht staatlich zu fördern und so sieht man am Einrichten und Erhalten der UVM Zuchtfarm in Randolph, Vermont, das große Interesse der Amerikaner an der Fortführung der Zucht des "First american Breed"- der ersten amerikanischen Rasse.

Mittlerweile gibt es Morgans nicht nur in ganz Amerika mit Hauptzuchtgebiet an der Ostküste, ein weiterer Zuchtschwerpunkt liegt in Kanada und auch in Europa wird das Morgan Horse immer beliebter. Der international gültige Rassestandard sieht ein zwischen 1,40 und 1,60 m Stockmass grosses Pferd ( Abweichungen nach oben und unten sind erlaubt) im Quadrattyp, breiter Brust, guter Gurtentiefe, kurzem kräftigem Rücken und stark bemuskelter Hinterhand vor. Der Kopf sollte klein, mit geradem Profil, großen Augen , breiter Stirn , kleinen Ohren und weiten Nüstern sein. Die Beine und Gelenke sollen klar sein, mit gutem Röhrbeinumfang und hervorragender Hufqualität. Volles Langhaar, ein hoch angesetzter Hals und eine schön geschwungene Oberlinie machen das Morgan Horse zu einem Pferde, das schon kleine Mädchen inspiriert, von einem "eigenen Pony " zu träumen. Bis zu den 1990er Jahren waren nur Braune, Füchse und Rappen mit wenig Weiss erlaubt, mittlerweile gibt es Morgans in allen Farben , sogar einige Schecken sind mittlerweile eingetragen. Doch nicht das für alle Sparten des Pferdesports hervorragend geeignete Exterieur ist es, was den Morgan wirklich ausmacht. Sein Herz, sein Wille, seine Liebe zu "seinem" Menschen, die diese Pferde zu einem wahren Freund und Begleiter in jeder Lebenslage und Situation macht, seine Nervenstärke und sein Mut, seine Beherztheit und seine unbedingte Hingabe prädestinieren das Morgan Horse nicht nur als wunderbares Familienpferd, es hat sich einen festen Platz im internationalen großen Sport erobert.

So nahmen in 2010 an der Weltmeisterschaft im Einzelfahren in Patroni del Vivaro, Italien zwei Teams mit ihren Morgans teil und die Morgan -Stute Courage to Lead wurde 2010 von der USEF als Horse of the Year für ihre sportlichen Erfolge im Fahrsport nominiert und auf den zweiten Platz gewählt, nachdem sie bereits 2005 in das USA- Nationalteam gewählt wurde, in 2007 die Goldmedaille national der USA und 2009 die Bronzemedaille international in Greven, Deutschland erringen konnte.. Kennebec Count, ein Fuchshengst mit hellem Behang , dominierte die US- Fahrszene zusammen mit seinem Sohn Kennebec Russel im Zweispänner in der Kombination während der gesamten 80er Jahre. Die beiden Hengste waren international erfolgreich und konnten bei der Weltmeisterschaft in der Kombination 1985 in Windsor, England, sogar die Goldmedaille für das US- Nationalteam im Zweispännerfahren und den achten Platz in der Gesamtwertung aus 45 Teilnehmern erringen. 1987 nahmen die beiden erfolgreich an der Weltmeisterschaft in Deutschland teil. Nach seiner Karriere im Fahrsport wurde Kennebec Count als Deckhengst genutzt, bevor er 2004 im Alter von 34 Jahren verstarb.

Heute werden Morgans als Showpferde unter dem Sattel und vor dem leichten Wagen, in allen Fahrdisziplinen, in der Westernreiterei, im Springsport, der Vielseitigkeit und der Dressur, in der klassisch barocken Dressur, als Therapiepferde oder aber- in den meisten Fällen- als geschätztes und geliebtes Freizeitpferd eingesetzt. Neben den Hauptzuchtgebieten USA und Kanada gibt es Morgans mittlerweile auch in Australien und Neuseeland und selbstverständlich auch in Europa mit der größten Population in England und Schweden.

Mit ca. 250 -300 Vertreten ihrer Rasse sind Morgans in Deutschland noch sehr selten und da es nur wenige kleine Züchter gibt, werden Morgan Horses oftmals schon als Absetzer oder Jährlinge verkauft- wer einmal ein Morgan Horse hat, wird sich nur in den seltensten Fällen wieder davon trennen. Wie ein Fieber lässt einen die Liebe zu diesen besonderen Pferden in der Regel nie wieder los.

Wer neugierig geworden ist oder mehr über die Rasse des Morgan Horses erfahren möchte, kann auf www.germanmorganhorse.com alles Wissenswerte rund um das Morgan Horse, eine aktuelle Verkaufspferdeliste, sowie Adressen diverser Züchter finden.

Stefanie Niggemeier
Germanmorganhorse.com